Heimsuchung – ein altes Wort, mit dem man früher das lateinische „Visitatio“ übersetzt hat. Heißt also einfach „Besuch“.
Aber heute hört sich das anders an. Ich jedenfalls denke bei Heimsuchung erstmal an einen Schicksalsschlag, an ein bedrohliches Ereignis oder eine Entwicklung, dem man ausgeliefert ist. Oder man kann auch an eine Strafe Gottes oder eine Prüfung denken. Auf eine solche Heimsuchung kann ich gut und gerne verzichten!
Aber im Wort Heimsuchung steckt ja auch etwas anderes – auch wenn das vielleicht nicht gemeint ist. Da ist jemand, der ein Zuhause sucht, ein Heim. Der sich nach Heimat und Geborgenheit sehnt. Der irgendwo ankommen möchte und sich dort sicher fühlen möchte und gut aufgehoben.
Wenn das schwangere Mädchen Maria ihre ebenfalls schwangere viel ältere Verwandte Elisabeth besucht – da mag es wirklich darum gehen, bei jemandem anzukommen, bei dem ich so sein darf, wie ich bin. Die widrigen Umstände dieser beiden unverhofften Schwangerschaften sind da kein Thema – und vor allem kein Grund, Angst zu haben. Die beiden Frauen verstehen sich, weil sie beide von Gott angerührt wurden. Und auch die beiden ungeborenen Kinder verstehen sich auf Anhieb – Johannes hüpft im Mutterleib und begrüßt den Messias Jesus Christus.
Das Fest Mariae Lichtmess, die Darstellung des Herrn, wird in der Ostkirche „Begegnung des Herrn“ genannt. Und das könnte man auch von Mariae Heimsuchung mit Recht sagen: Fest der Begegnung. Es begegnen sich die beiden von Gott gesegneten Frauen. Und es begegnen sich Johannes und Jesus. Man könnte sagen, an dieser Schnittstelle zwischen dem alten und dem neuen Bund, an dieser Schwelle geben sich Johannes und Christus die Hand. Und beginnt die Zeit der Erlösung.
„Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte, du hat kein Unheil zu fürchten“, so schreibt der Prophet Zefanja. Und so wird es spürbar in dieser Begegnung im Bergland von Judäa.
„Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“, fragt sich Elisabeth. Und ihr Kind im Mutterleib lässt sie spüren, dass es nicht nur die Mutter ist, sondern der Herr selbst, der schon ungeboren Heil wirkt.
Hypapanthe, Begegnung mit dem Herrn ereignet sich jedes Mal, wenn wir als glaubende Menschen um den Altar versammelt sind und uns von ihm das Wort des Lebens sagen lassen und uns von ihm das Brot des Lebens brechen lassen. Öffnen wir uns für diese Begegnung, auch in dieser Stunde.